Bahn-Skandale

Fragen, Tipps und Tricks zu Bahn, Bus, Flieger und Auto
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 3756

Bahn-Skandale

Beitragvon ------ » 06.11.2009 01:16

Wollte nur mal dokumentieren, was uns am Wochenende passiert ist. Vielleicht zieht manch einer daraus eine Lehre!

Der ursprüngliche Plan sah vor, mit dem Zug von Skopje nach München zu fahren. Die Zugzeiten im einzelnen: Skopje Abfahrt 20:40 Uhr, Ankunft Belgrad 5:44 Uhr, Abfahrt Belgrad 7:30 Uhr, Ankunft Budapast 14:54 Uhr, Abfahrt Budapest 21:05 Uhr, Ankunft München 6:15 Uhr. Insgesamt also vermutlich genug Zeitpuffer beim Umsteigen in Belgrad und Budapest. Verwendet wurden folgende Fahrscheine: Skopje-Belgrad-Subotica mit Balkan Flexipass (gekauft in Serbien), Subotica-Budapest mit einem Einzelfahrschein (gekauft in Ungarn), Budapest-München mit einem zuggebundenen SparNight für 29 Euro (gekauft in Deutschland).

Passiert ist nun folgendes: Statt um 5:44 Uhr kam unser Zug von Skopje erst gegen 10:30 Uhr in Belgrad an, also rund 5 Stunden Verspätung. Wir wären nicht mehr pünktlich in Budapest angekommen. In Belgrad an das zuständige Bahnpersonal gewendet, haben alle mit den Achseln gezuckt. Man weigerte sich auch, unser Ticket auf den 13-Uhr-Direktzug von Belgrad nach München umzuschreiben, der ebenfalls um 6:15 Uhr dort gewesen wäre (hätte für uns somit finanziell wie zeitlich keinerlei Unterschied dargestellt). Begründung: Es würde sich ja nur um ein preisreduziertes Ticket halten. Wir sollten uns in Deutschland an die DB wenden. Wir bekamen lediglich einen Vermerk mit Stempel auf unseren Fahrschein, dass unser Zug von Skopje nach Belgrad mit erheblicher, von der serbischen Bahn verschuldeten Verspätung ankam.

Wir entschieden uns nun, mit dem Bus um 12.30 Uhr von Belgrad nach Subotica zu fahren (2 Personen für zusammen 20 Euro). Ankunft dort um 15:20 Uhr, dann mit dem Taxi zur serbisch-ungarischen Grenze (10 Euro), zu Fuß rüber und nach 3 km Fußmarsch in einem Restaurant einem Wirt 10 Euro in die Hand gedrückt, damit dieser uns zum etwa noch 10 km entfernten ungarischen Grenzbahnhof Kelebia zu fahren. Ankunft dort gegen 16:30 Uhr. Somit noch den letzten möglichen Zug um 16:46 Uhr erwischt, der um 19:41 Uhr in Budapest-Ferencváros sein sollte. In fast eineinhalb Stunden ist es gut möglich, vom Bahnhof Ferencváros am Ostbahnhof (Keleti) zu sein.

Unser zunächst einsetztender Jubel nach aller Anstrengung doch noch den Nachtzug kriegen zu können war leider unbegründet, denn nach einer Stunde Fahrtzeit blieb der Zug wegen einer Panne mitten in der Pampa liegen. Der Schaffner machte uns hämisch grinsend klar, dass wir den Nachtzug nicht erreichen würden (ungarische Schaffner-Schweine at it's finest...). Den Bahnhof Ferencváros haben wir erst nach 22 Uhr erreicht. Mit der Metro zum Ostbahnhof, dort im Kundencenter unser Anliegen klar gemacht. Auch hier wieder Achselzucken. Man könne nichts für uns machen, weil wir ja nur preisreduzierte SparNight-Tickets nach München hätten. Da könne man die Fahrkarte nicht auf den nächst möglichen Zug umschreiben. Wir müssen eine neue Fahrkarte nach München kaufen und uns in Deutschland an die DB wenden. Völlig fertig mit den Nerven eine neue Fahrkarte gekauft, Preis für 2 Personen: 217 Euro.

Insgesamt also 250 Euro für nichts bezahlt. Bei der Bahn in München haben wir nur gehört, dass die Verspätungen ja nicht die DB zu verantworten hätte und man für uns nichts tun könnte. Nicht mal die 58 Euro für die ungenutzten SparNight-Tickets bekommen wir erstattet, weil der Nachtzug von Budapest nach München ja pünktlich gefahren sein. Immerhin hat man uns eine Karte mit einer Service-Hotline gereicht. Ist schon klar...

Hab mich inzwischen etwas schlau gemacht und leider erfahren müssen: Null Chance, von irgendwem auch nur einen Cent zurück zu bekommen. Die europäischen Fahrgastrechte greifen außerdem angeblich nicht, weil wir mit 3 verschiedenen Fahrscheinen unterwegs waren, die wir allesamt bei verschiedenen Bahn-Unternehmen gekauft haben.
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon brb » 06.11.2009 01:40

so leid es mir fuer dich tut... was hast du denn erwartet...ist nun mal alles tarifkonform, leider. wenn ryanair verspaetet in stansted ankommt und du deinen easyjet flieger nach dublin verpasst und dort dein aerlingus flug in die staaten weg ist hast du genauso die arschkarte gezogen, als beispiel mal... weisst doch vorher auf was du dich einlaesst...
brb
 
Beiträge: 1198
Registriert: 01.2007
Wohnort: DD
Geschlecht:

Beitragvon ------ » 06.11.2009 01:49

Hab mir schon in Belgrad gedacht, dass ich da keinerlei Chance habe irgendeinen Cent zurück zu bekommen, und hab's deshalb noch mal auf alternativem Weg nach Budapest versucht. Da noch mal in die Scheiße zu treten hat natürlich keiner ahnen können. Mit "vorher gewusst, auf was du dich da einlässt" würde ich es pauschal nicht abtun. Ich war zuvor 2 Wochen lang per Zug kreuz und quer über den Balkan bis in die Türkei hinein unterwegs und da hat alles funktioniert. Zwar nicht problemlos, aber unterm Strich hat alles geklappt.
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon brb » 06.11.2009 10:52

Mit "vorher gewusst, auf was du dich da einlässt"


damit meinte ich eher die restriktiven buchungsbestimmungen der bahnsparpreise... ist halt sehr dumm gelaufen...
brb
 
Beiträge: 1198
Registriert: 01.2007
Wohnort: DD
Geschlecht:

Beitragvon ------ » 06.11.2009 12:06

Hab's hier auch aus dem Grund niedergeschrieben damit sich die Leute Gedanken machen, was beim Bahnfahren der Drang zum Sparen im Extremfall für Konsequenzen nach sich ziehen kann.
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon groundhopping » 06.11.2009 13:44

brb hat geschrieben:so leid es mir fuer dich tut... was hast du denn erwartet...ist nun mal alles tarifkonform, leider. wenn ryanair verspaetet in stansted ankommt und du deinen easyjet flieger nach dublin verpasst und dort dein aerlingus flug in die staaten weg ist hast du genauso die arschkarte gezogen, als beispiel mal... weisst doch vorher auf was du dich einlaesst...


Hier kann von Glück reden wer eine Reiseversicherung hat welche Flugverspätungen übernimmt. Kostet gar nicht viel.
groundhopping
 

Beitragvon ------ » 06.11.2009 14:21

Hab jetzt in einem anderen Forum den Tipp bekommen, wie vielleicht doch noch etwas zu machen wäre: Strafanzeige wegen Betrug gegen die ungarische Bahn stellen und dann das Geld zurück buchen lassen. Gott sei Dank hab ich mit Karte bezahlt...
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon DerAdmin » 06.11.2009 15:07

------ hat geschrieben:Hab jetzt in einem anderen Forum den Tipp bekommen, wie vielleicht doch noch etwas zu machen wäre: Strafanzeige wegen Betrug gegen die ungarische Bahn stellen und dann das Geld zurück buchen lassen. Gott sei Dank hab ich mit Karte bezahlt...


Da würde ich mich aber vorher erst richtig schlau machen. Wo in aller Welt ist der Betrugstatbestand??
DerAdmin
Site Admin
 
Beiträge: 16777208
Registriert: 11.2006
Geschlecht:

Beitragvon ------ » 06.11.2009 15:46

Die Zugbindung beim SparNight besteht nur innerhalb von Deutschland. Zumindest von Budapest bis Salzburg hätten wir also mit der Fahrkarte fahren dürfen, während man uns in Budapest gesagt hat, wir müssten eine komplett neue Fahrkarte bezahlen. Wenn man bedenkt, dass man von Salzburg nach München mit dem Bayernticket fahren kann, steht der Kauf einer Fahrkarte in Höhe von 217 Euro in keiner Relation!

Nicht zuletzt muss man prüfen, ob durch die Verspätung nicht sogar die Zugbindung zwischen Salzburg und München aufgehoben gewesen wäre.
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon H96-Linke » 06.11.2009 15:54

naechstes mal am besten gar keine fahrkarte vorher kaufen....
H96-Linke
 
Beiträge: 645
Registriert: 12.2006
Wohnort: Pattensen
Geschlecht:

Beitragvon ------ » 06.11.2009 16:09

H96-Linke hat geschrieben:naechstes mal am besten gar keine fahrkarte vorher kaufen....


(...oder das gute, alte Auto nehmen)

Aber gerade in Ungarn will ich nicht mit einem Schaffner erst im Zug über den Preis verhandeln müssen
------
 
Beiträge: 1700
Registriert: 05.2007
Wohnort: Hôtel Formule 1
Geschlecht:

Beitragvon jochensge » 08.11.2009 23:52

Wieso habt ihr denn überhaupt ne Karte für die komplette Strecke gekauft? Ich hab den Thread auch schon bei drehscheibe gelesen und da gibst Du ja auch keine Erklärung. Selbst wenn man mit den Nerven am Ende ist, kaufen sich Sparfüchse doch nicht bei der MAV n Komplettticket. Die anderen Sachen wurden ja schon oben angesprochen. Sehr ärgerlich, aber das Risiko wurde ja wissentlich eingeganen. Shit happens....

Zum Betrugsvorwurf: Recht wirre Theorie, die im drehscheibe-Thread aufgestellt wird (zumal es nur ein User ist, der diese vertritt). Betrug muß man immer nachgewiesen, denn es ist ja Vorsatz im Spiel und nicht nur Dummheit oder Versehen. So wie Du es darstellst, steht da Aussage gegen Aussage. Wie habt ihr mit dem Schalterangestellten gesprochen (englisch, ungarisch,...)? Hat der z.B. auch alles verstanden, so daß der sich auch nicht mit einem Mißverständnis herausreden könnte?

Eine Rückbuchung dürfte rechtlich nicht möglich, da die PIN-Eingabe einen Betrug ausschließt (es sei denn man bekommt bei der Eingabe z.B. ne Knarre an den Kopf gehalten). Die Zahlung ist also korrekt verlaufen, so wie wenn Du Bargeld gegeben hättest. Mit Unterschrift wäre durchaus angreifbarer, kommt aber auch immer auf den Fall drauf an. Eine Rückbuchung ist dann nur dann möglich, wenn die Zahlung so gar nicht sonst verlaufen wäre, eben bereits der Zahlungsvorgang Betrug gewesen wäre. Und das ist ja nicht der Fall gewesen, Du hättest auch bar bezahlt wenn Du welches gehabt hättest. Wenn mit dem Produkt dann später was falsch ist (berechtigt oder nicht berechtigt), ist das keine Sache der Bank, sondern zwischen Dir und dem Verkäufer.
jochensge
 
Beiträge: 543
Registriert: 07.2009
Wohnort: Bremen
Geschlecht:

Beitragvon lokist » 09.11.2009 00:15

ist wahrscheinlich sch*** gelaufen, aber mit "betrug" wirst du da nicht viel erreichen.

betrug: im strafrechtlichen Sinn ein Vermögensdelikt, bei dem der Täterin rechtswidriger Bereicherungsabsicht das Opfer durch Vorspiegelungoder Unterdrückung von Tatsachen gezielt so irreführt, dass es sichselbst oder einen Dritten am Vermögen schädigt.

scheitert schon an der rechtswidrigen bereicherungsabsicht - die bahnangestellte hatte dies wahrscheinlich nicht. hat nur nach ihren vorschriften gehandelt.
vorspielung und unterdrückung von tatsachen gezielt irregeführt - wie gesagt, sie hat nur vorschriften eingehalten.
desweiteren der subjektive tatbestand: der vorsatz - beim besten willen nicht!

desweiteren muss überlegt werden, ob das deutsche strafrecht in ungarn überhaupt angewand werden kann. Bild
wenn man es über das ungarische strafrecht machen würde, stellt sich hier die kosten-nutzen-frage...


zur thematik des umsteigens: 1:45 uhr zum umsteigen in belgrad bei einem internationalen zug - zu 99 % nicht zu schaffen. bin die strecke schon mehrmals gefahren und die züge hatten immer mindestens 2,5 stunden verspätung. seitdem plane ich für diesen zug (müsste der thessaloniki-beograd-express sein) immer 3 stunden ein.
1.fc lok
sgu
d
lokist
 
Beiträge: 150
Registriert: 03.2007
Wohnort: sandersdorf
Geschlecht:


Zurück zu "Verkehrsmittel"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron